So finden Sie die richtige BU-Police – Absicherung für Berufsunfähigkeit wird 2017 teurer! Was Sie jetzt tun sollten

Für Neukunden wird der Abschluss einer Berufsunfähigkeits-Versicherung ab 2017 deutlich teurer. Trotzdem sollten sie sich nicht unter Zeitdruck setzen lassen. Überhastet abgeschlossene Policen sind ihr Geld meist nicht wert.

Der Abschluss einer Versicherung gegen den Verlust der eigenen Arbeitskraft muss gut überlegt sein. Policen, die bei Krankheit oder Unfall gegen Berufsunfähigkeit (BU) schützen, gelten als existenziell sinnvoll, auch Verbraucherschützer raten dazu. Das gilt für alle, die nach dem 1. Januar 1961 geboren wurden. Sie bekommen vom Staat allenfalls eine minimale Unterstützung in Form der Erwerbsminderungsrente, wenn sie ihren Job nicht mehr ausüben können.

Wer jünger ist, muss komplett selbst vorsorgen. Doch die Absicherung ist nicht billig und kostet viele hundert Euro im Jahr. Jetzt wird es noch teurer: Vom Jahr 2017 an werden Neukunden für den BU-Schutz noch mehr zahlen müssen. Nach einer Beispielrechnung des Finanzdienstleisters MLP muss ein 25-Jähriger, der 2017 eine eigenständige BU-Police unterschreibt, dann bis zu fünf Prozent mehr für eine Monatsrente von 1.000 Euro zahlen. Unterstellt wurde eine Laufzeit bis zum 67. Lebensjahr. Ein 35-Jähriger muss mit Mehrkosten von drei Prozent rechnen. Bestehende Policen sind von der Preiserhöhung nicht betroffen.

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Interessenten sollten sich trotzdem nicht von der Teuerungswelle unter Druck setzen lassen, warnt Bianca Boss vom Bund der Versicherten (BdV). Ihr Rat: Bloß nichts überstürzen, nur um zu sparen. Wer eine leistungsstarke, gute BU-Police will, die im Ernstfall auch zahlt, habe bis Silvester noch genug Zeit, sich unabhängig beraten zu lassen und der Preiserhöhung trotzdem ein Schnippchen zu schlagen, empfiehlt Sascha Straub, Versicherungsexperte der Verbraucherzentrale Bayern.

„Es ist zu erwarten, dass die Versicherungsbranche in den kommenden Wochen verstärkt für Neuabschlüsse noch in diesem Jahr trommelt“, sagt Boss. Die BU sei mit Prämien von 1.300 Euro im Jahr und mehr schon jetzt keine günstige Versicherung.

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Die Preissprünge zum Jahreswechsel sind eine Folge der Absenkung des Garantiezinses für Lebensversicherungen, der zum 1. Januar 2017 von 1,25 auf 0,9 Prozent sinkt. Diese Garantieverzinsung gilt auch in der BU. Wegen der niedrigen Zinsen sei es für die Versicherer schwieriger geworden, das im Ernstfall benötigte Finanzpolster aufzubauen, erklärt MLP. Die Finanzierungslücke muss der Kunde schultern.

Wer durch Krankheit oder Unfall keiner oder nur noch wenige Stunden einer Arbeit nachgehen kann, gerät schnell in finanzielle Not. Trotzdem besitzen aktuell nur etwa 17 der gut 43 Millionen Erwerbs­tätigen in Deutsch­land überhaupt einen Schutz gegen den Verlust ihrer Arbeitskraft. „Eine BU ist wichtig für alle, die auf ihr Arbeitseinkommen angewiesen sind“, sagt Straub. Inzwischen muss schon fast jeder Fünfte seinen Beruf aufgeben, weil die Gesundheit nicht mehr mitspielt. Hauptursachen sind psychische Erkrankungen, Krebs, Rücken- sowie Herz- und Kreislaufleiden. „Die Police ist existenziell“, betont auch Boss.

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„Man kann da völlig daneben greifen“

Aber längst nicht jeder Vertrag bringt tatsächlich die nötige finanzielle Absicherung. „Es gibt jede Menge schwach aufgestellte BU-Policen, man kann da völlig daneben greifen“, warnt Straub. Interessenten sollten sich deshalb nicht vom Preis beeindrucken lassen. Weder die billigste noch die teuerste Versicherung ist automatisch die beste.

Was zählt, sind die Vertragsbedingungen: Die versicherte Rente sollte bei mindestens 1.000 Euro im Monat liegen, also spürbar über den staatlichen Sozialleistungen. Die Laufzeit muss bis zum Ende des Berufslebens gehen, für die meisten heißt das: bis 67. Wer sich nur bis 65 oder 60 absichert, spart zwar Geld. „Doch diese Option sollte nur wählen, wer sicher ist, zu dem Zeitpunkt bereits wirtschaftlich abgesichert zu sein“, erläutert Boss.

Zusatzhaken: Die Vertragshürden sind hoch. Nur junge, gesunde Menschen können sich günstig absichern, Preissteigerungen hin oder her. Je älter die Kunden beim Einstieg sind, desto teurer wird es für sie. 40-Jährige Gesunde zahlen schon heute etwa 40 Prozent mehr als 30-Jährige. Die Kosten für solche Policen liegen zwischen 900 und 1.800 Euro im Jahr. Vergleichen lohnt. Die Preisunterschiede betragen bis zu 300 Prozent.

Nicht nur das Alter, auch Vorerkrankungen schlagen sich in der Prämie nieder. Wer zu viele Gesundheitsprobleme hat, wird abgelehnt. Oder der Versicherer schließt bestimmte Erkrankungen von der Leistung aus. Einige Berufsgruppen haben grundsätzlich Schwierigkeiten, einen Vertrag zu bekommen. Dazu gehören Handwerker wie Dachdecker oder Maler, Flugbegleiter, Krankenschwestern, Altenpfleger oder auch Lehrer und Erzieher. Ihr Risiko gilt als hoch, dass sie ihren Job weit vor Erreichen der Rente an den Nagel hängen zu müssen. Die Folge: Gar keine Police oder höchstens eine mit unbezahlbar hohen Risikozuschlägen.

Keine Lügen bei den Gesundheitsfragen

Auch wer glaubt, bei Vertragsabschluss alles richtig gemacht zu haben, ist vor späterem Ärger nicht gefeit. „Versicherer zicken häufig rum, wenn es ans Zahlen geht“, berichtet Boss. Mal wird bestritten, dass der Versicherte tatsächlich berufsunfähig ist. Mal wird ihm vorgeworfen, den Versicherungsantrag nicht wahrheitsgemäß beantwortet zu haben.

Tatsächlich sollten Kunden alle Gesundheitsfragen bei Vertragsabschluss wahrheitsgemäß ausfüllen. Wer hier flunkert, der könnte später leer ausgehen.

Boss rät dazu, die wichtigen Gesundheitsfragen im Versicherungsantrag in Ruhe und wahrheitsgemäß auszufüllen. Auf keinen Fall in Eile und schon gar nicht unter Anleitung von eifrigen Versicherungsvermittlern, die auf ihre Provision für den Abschluss schielen. Vergisst jemand zum Beispiel anzugeben, dass er vor Jahren wegen Rückenschmerzen in Behandlung war, kann ihn das später wegen arglistiger Täuschung den kompletten Versicherungsschutz kosten. „Gute Anbieter haben angemessene Gesundheitsfragen, die maximal fünf Jahre zurückgehen“, sagt Straub. Fragen nach Vorerkrankungen, die zehn Jahre zurückliegen, vom Klinikaufenthalt bis zur Bronchitis, betrachten Verbraucherschützer als Zumutung. Wer auf Nummer Sicher gehen will, sollte sich beim Ausfüllen von seinem Hausarzt helfen lassen.

Je jünger der Kunde, desto günstiger der Tarif

Generell sollte die BU am besten schon mit Beginn der Lehre oder des Studiums abgeschlossen werden. Je früher, desto günstiger die Monatsbeiträge. Kaufmännische Azubis müssen derzeit mindestens 35 Euro im Monat zahlen, wenn sie 1000 Euro BU-Rente versichern wollen, Maler-Lehrlinge etwa das Doppelte, je nach Anbieter und Einzelfall. Für Studenten geht es bei etwa 50 Euro los. Für junge Leute können „Starter-Policen“ sinnvoll sein. Sie bieten vollen Schutz für einen geringen Anfangsbeitrag.

Wichtig ist immer die vertraglich zugesicherte „Nachversicherungsgarantie“. Damit lässt sich nach der Ausbildung – wenn das Einkommen steigt – die Rente ohne erneute Gesundheitsprüfung erhöhen. Das heißt, Wehwehchen, die bis dahin aufgetreten sind, werden nicht berücksichtigt. Wird die BU mit einer Risikolebensversicherung kombiniert, ist sie ebenfalls oft billiger. Denn aus Sicht des Versicherers kann nur einer der beiden Versicherungsfälle eintreten.

Online-Angebote helfen bei der Suche

Einen guten Überblick über die Tarife der einzelnen Anbieter finden Sie im BU-Vergleich von FOCUS Online.Dort können Sie auch direkt ein Angebot anfordern.

Wer befürchtet, abgelehnt zu werden, kann die anonyme Risikovoranfrage nutzen. Die kann eine andere Person stellvertretend stellen, zum Beispiel ein Versicherungsberater oder etwa mit Hilfe der Online-Plattform www.buforum24.de. Persönliche Angaben werden in dem Antrag geschwärzt. Die Versicherung bekommt nur eine Risikobeschreibung des Interessenten. Weil jeder Anbieter anders entscheidet, kann das eine Chance sein herauszufinden: Wer nimmt mich? Denn: Wer einmal abgelehnt wird, bekommt auch nirgends anderswo mehr eine BU.

Mit Hilfe der Check­liste von Stiftung Warentest unter www.test.de/bu-checkliste lassen sich gute Tarife herausfiltern. Sie kostet zwei Euro.