Beitrag sorgt für Aufschrei – US-Show witzelt über „Nazi-Frisur“ – doch das Opfer macht eine Chemotherapie

Beitrag sorgt für Aufschrei: US-Show witzelt über „Nazi-Frisur“ – doch das Opfer macht eine Chemotherapie

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Ein Beitrag über die konservative Konferenz CPAC, die kürzlich zur Jubelveranstaltung für US-Präsident Donald Trump geriet, wurde der Satiresendung „Full Frontal“ zum Verhängnis. Sie machte sich über einen Teilnehmer wegen seiner „Nazi-Frisur“ lustig – in Wirklichkeit unterzieht sich dieser gerade einer Chemotherapie.

Mit einem satirischen Beitrag hat sich die Redaktion der US-Show „Full Frontal with Samantha Bee“ ein gehöriges Eigentor geschossen. Die Sendung, die regelmäßig US-Präsident Donald Trump und die Republikanische Partei kritisiert, machte sich in einem Beitrag über die konservative Konferenz CPAC lustig. Statt spießerische Fliegen am Hemdkragen gebe es dort nun „Nazi-Frisuren“ zu bestaunen.

In einem kurzen Zusammenschnitt zeigte der Beitrag mehrere junge Männer mit einem Undercut – einer von ihnen der Journalist Kyle Coddington, der für ein Onlinemagazin von der Veranstaltung berichtete. Was die Macher nicht wussten, aber offenbar auch nicht recherchierten: Die Frisur trug der 20-Jährige nur, weil er sich derzeit wegen eines Hirntumors einer Chemotherapie unterzieht.

Show spendet für die Behandlungskosten

Nach der Ausstrahlung der Sendung schrieb Coddingtons Schwester sarkastisch auf Twitter: „Dieser Moment, wenn sich Samantha Bee über deinen Bruder wegen seiner „Nazi-Frisur“ lustig macht. Tatsächlich hat er Krebs im vierten Stadium. Aber wenn sie meint…“ Der Tweet wurde über 6000 Mal geteilt und sorgte für massive Kritik gegenüber der Moderatorin und ihrer Show.

„Wir entschuldigen uns aufrichtig für die Beleidigung gegenüber Kyle“, schrieb Samantha Bee kurz darauf als Antwort. „Wie haben erst jetzt von seiner Krankheit erfahren und haben ihn aus dem Beitrag entfernt.“ Gleichzeitig spendete die Show 1000 US-Dollar an die Kampagne, mit der die Kosten von Coddingtons Krebstherapie gedeckt werden.

Opfer kritisiert „Halb-Entschuldigung“

Coddington selbst veröffentlichte auf Twitter einen offenen Brief, in dem er sich für die finanzielle Unterstützung bedankte, aber gleichzeitig die „Halb-Entschuldigung“ kritisierte. Die Attacke auf ihn und seine „Nazi-Frisur“ sei nur ein Teil des Problems: „Jeder in dem Beitrag wurde ungerechtfertigt angegriffen und in eine Ecke gestellt, ohne die Anschuldigungen irgendwie zu belegen.“

Er selbst sei ein Kritiker von Donald Trump, habe im Wahlkampf aktiv gegen ihn gearbeitet und sei außerdem ein eingetragener Wähler der Demokraten. „Diese Fakten widerlegen das Bild, das in Samantha Bee’s Beitrag versucht wurde zu zeichnen.“ Haltlose Anschuldigen wie diese sollten von beiden Seiten des politischen Spektrums verurteilt werden, sagte er.

Der Tumor ist nicht heilbar

Coddington wurde nach eigener Aussage Ende letzten Jahres mit einem bösartigen Glioblastom im Gehirn diagnostiziert. Der Tumor ist derzeit nicht heilbar, sondern kann nur mit Bestrahlung und Chemotherapie behandelt werden. Die durchschnittliche Überlebenszeit liegt bei rund einem Jahr. Coddington habe seine erste Runde Chemo- und Strahlentherapie erhalten.

„Wegen des Haarausfalls ließ ich mir die Haare so schneiden, wie es bei ‚Full Frontal with Samantha Bee‘ zu sehen war“, erklärte der 20-Jährige in seinem offenen Brief. „Ich selbst mag den Stil nicht sonderlich, aber ich bin glücklich, dass ich noch den Großteil meiner Haare habe“. Seine zweite Runde Chemotherapie stehe demnach unmittelbar bevor. Er habe jedoch Vertrauen in Gott.

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dn